Wortklauberei statt Wortspielerei?

“Wir sind eine Nation von Wortklaubern, nicht von Wortspielern.”

Zitat aus dem heutigen Interview von Burkhard Müller-Ullrich und Uwe Pörksen im Deutschlandfunk. Ausgangspunkt sind – vorsichtig ausgedrückt – mangelnde rhetorische Fähigkeiten gewisser Politiker, “das  Nachlassen der Redekunst”, und die ebenfalls fehlende Bereitschaft, “to eat one’s words”.  Das war allerdings nur ein Teilaspekt. Gilt das obige Zitat aber wirklich nur für Deutschland? Und was mich schon von jeher interessiert: Wieso wurden in der Vergangenheit Amtsträger für ihre Reden gelobt, die sie doch gar nicht selbst geschrieben, sondern nur (?) überzeugend vorgetragen haben? Wie viele eigene Gedanken sind da miteingeflossen?

Zum DLF-Interview vom 19. Februar 2012

Im ersten Satz geht es übrigens um den Wortlaut von Wulffs Rücktrittserklärung.

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Tüdelüdelüt oder …

… es bleibt alles in der Familie (oder so)

Zugegeben, mehr als “tüdelüdelüt” [sic] habe ich ja beim ersten Mal – und noch ohne den Text – nicht verstanden. Um da durchzusteigen, muss ich es wohl noch ganz oft hören. Es stellt doch weit höhere Ansprüche an mein Sonntagnachmittagsfranzösisch als Alouette, das ich problemlos mitträllern könnte, ganz zu schweigen von Frère Jacques oder Sur le pont d’Avignon. Dies ist also der für die Provinz Québec typische Akzent (habe ich gerade gelernt). Aber auch hier gilt mal wieder der Spruch vom Bild, das mehr sagt als tausend Worte:

Und hier ist der Text von LA TURLUTE DES LITTLE-DELISLE  zum Mitsingen. Tüdelüdelüt …

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Der Dichter und der Korkenzieher

1 Liter  Atur  (der Geist aus der Flasche)

Kalenderblatt Foto

Joachim Ringelnatz von Michael Mathias Prechtl

Fotografiert von einem alten Kalenderblatt im EÜK

© anglogermantranslations

Die Schnupftabaksdose

Es war eine Schnupftabaksdose,
Die hatte Friedrich der Große
Sich selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz.
Und darauf war sie natürlich stolz.

Da kam ein Holzwurm gekrochen,
Der hatte Nußbaum gerochen.
Die Dose erzählte ihm lang und breit
Von Friedrich dem Großen und seiner Zeit.

Sie nannte den Alten Fritz generös.
Da aber wurde der Holzwurm nervös
Und sagte, indem er zu bohren begann:
“Was geht mich Friedrich der Große an!”

Joachim  Ringelnatz (1883-1934)

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Haggis mal wieder …

https://anglogermantranslations.wordpress.com/2010/12/01/aus-und-vorbei/

The same procedure as every year.

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Brenda hat …

“Brenda hat im englischen Original einen starken Südstaaten-Akzent, der in der deutschen Synchronisation nicht zu hören ist.”

So ist es im Wikipedia-Artikel über die amerikanische Fernsehreihe “The Closer” zu lesen. (Hätte mich aber auch sehr gewundert …)

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/The_Closer

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Winterfreuden

Ski und Rodel gut:

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Ooode an die Froidey

The message is in the song …

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Ach, hätten sie doch Deutsch gelernt, sie wären noch am Leben!

Ich brauchte ein Grimm-Zitat auf Englisch, und zwar “Siebene auf einen Streich!” Diese vier Wörter ins Englische zu übersetzen, ist ja keine große Kunst, aber wie bei Klassikern üblich, sieht man zuerst mal in vorhandene Übersetzungen und bedient sich ihrer, denn meistens sind berühmte Zitate ja in der Zielsprache auch schon geflügelte Worte. Das Projekt (Project) Gutenberg ist in Sachen Grimm gut sortiert. Aber bei genauerem Hinsehen war da doch ein kleiner, feiner Unterschied in Original und Übersetzung:

[...] Indes stieg der Geruch von dem süßen Mus hinauf an die Wand, wo die Fliegen in großer Menge saßen, so daß sie herangelockt wurden und sich scharenweis darauf nieder ließen. »Ei, wer hat euch eingeladen?« sprach das Schneiderlein und jagte die ungebetenen Gäste fort. Die Fliegen aber ließen sich nicht abweisen, sondern kamen wieder. Da lief dem Schneiderlein endlich, wie man sagt, die Laus über die Leber, es langte aus seiner Hölle nach einem Tuchlappen und: »Wart, ich will es euch geben!« schlug es unbarmherzig drauf. Als es abzog und zählte, so lagen nicht weniger als sieben vor ihm tot und streckten die Beine. »Bist du so ein Kerl?« sprach es und mußte selbst seine Tapferkeit bewundern, »das soll die ganze Stadt erfahren.« Und in der Hast schnitt sich das Schneiderlein einen Gürtel, nähte ihn und stickte mit großen Buchstaben darauf: »Siebene auf einen Streich!« [...] Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/754/231

In the meantime the smell of the sweet jam rose to where the flies were sitting in great numbers, and they were attracted and descended on it in hosts. ‘Hi! who invited you?’ said the little tailor, and drove the unbidden guests away. The flies, however, who understood no German, would not be turned away, but came back again in ever-increasing companies. The little tailor at last lost all patience, and drew a piece of cloth from the hole under his work-table, and saying: ‘Wait, and I will give it to you,’ struck it mercilessly on them. When he drew it away and counted, there lay before him no fewer than seven, dead and with legs stretched out. ‘Are you a fellow of that sort?’ said he, and could not help admiring his own bravery. ‘The whole town shall know of this!’ And the little tailor hastened to cut himself a girdle, stitched it, and embroidered on it in large letters: ‘Seven at one stroke!’ ‘ [...] Based on the translation of Edgar Tailor and Marian Edwardes 

Ein Vergleich fördert Interessantes zutage. Das Schneiderlein ruft keinen Dolmetscher hinzu, um die Plagegeister über die Ursache seines Unmuts in Kenntnis zu setzen. Dumm, wie er ist (dumm wie Brot? Nein, wie Mus!) erwartet er offenbar, dass sie ihn auch so für voll nehmen. Die Übersetzer (oder das Lektorat?) haben das Problem erkannt und liefern dem geneigten Leser englischer Zunge ungefragt eine plausible Erklärung: Die Fliegen konnten ja gar kein Deutsch! Seltsam nur, dass das Schneiderlein (the little tailor) bei ihnen  ja auch kein Deutsch gesprochen hat. Was lernen wir daraus? Fliegen können auch kein Englisch.

Nachtrag:

Ich nehme zwar nicht alles zurück, aber doch einen Teil. In dieser ebenfalls deutschen Quelle steht auch: “Die Fliegen aber konnten kein Deutsch …” Allerdings sprach der Schneider ja in der englischen Fassung Englisch und ward abermals nicht verstanden. Mit den bekannten Konsequenzen.

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Toxi und die Sternsinger

Beim Aufräumen im Keller habe ich meine N…, nein das darf ich heute nicht mehr ungestraft schreiben. Meine schwarze Puppe habe ich also wiedergefunden. Aber auch diese Ausdrucksweise ist nicht unproblematisch. Es ist schon ein Elend, wie leicht man in einen falschen Verdacht gerät. ÜbersetzerInnen müssen sich unaufhörlich damit auseinandersetzen, denn die Sprachregelung ändert sich alle paar Jahre. Klassiker wie Tom Sawyer und Pippi Langstrumpf mussten schon umgeschrieben werden. Auch die Wortwahl im Wikipedia-Eintrag zum Film Toxi findet sicher scharfe Kritiker – es ist und bleibt eben schwierig. Aber zurück zu meiner Puppe, die mir meine Tante zu Weihnachten schenkte. Sie schlug mir Toxi als Namen vor, nach einem “schönen Film”, den sie gesehen hatte. Und dann kam dieser Film – nicht mehr ganz neu – doch tatsächlich auch in die Stadt, die gar nicht existiert, und ich musste ihn unbedingt sehen. Der Kinosaal war bis auf den letzten Platz besetzt – zu einem großen Teil von lauter kleinen Toxis! Das war schon verwunderlich, denn die Puddingstadt lag in der ehemals britischen Zone, kein GI weit und breit, nur hellhäutige Tommys aus der Rheinarmee. Die Mädchen mussten also von weither angereist sein, um diese Wiederholung zu sehen. Oben also die rührende Schlussszene mit dem Happyend  – unterlegt mit Musik von Michael Jary – , in der sich Toxi als König aus dem Morgenland extra weiß gemacht hat.

–> Mehr Hintergrundinformationen zum Film und der Hauptdarstellerin Elfie Fiegert

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