Tagesarchiv: 5. Januar 2011

Benchmarking Sticky Botties

oder

Starkbierprobe

Maler: Joseph Puschkin (deutscher Maler, 1827-1880) Quelle: Wikipedia

Historische Methoden

Im 15. Jahrhundert und 16. Jahrhundert bediente man sich vielerorts mit Hilfe der Lederhose einer kuriosen und recht anschaulichen Methode, um die Einhaltung des Reinheitsgebots zu überprüfen. Dazu benötigte man eine naturbelassene Bierbank aus Eichenholz. Der Brauer goss die erste gezapfte Maß des frisch gebrauten Biers gleichmäßig über die Holzbank. Nun setzten sich zwei oder drei Burschen mit ihren Lederhosen darauf und blieben ein bis zwei Stunden (nach der Sanduhr) ruhig sitzen. Während dieser Zeit reichte man den Burschen reichlich Speis und Trank und wartete geduldig, bis sich das Leder im Hosenboden mit dem Bier vollsog und es in die Lederhosen hineintrocknete. Danach standen alle Burschen gleichzeitig auf. Blieb die Bank nicht am Boden stehen, sondern ging sie mit in die Höhe, weil sie den Burschen fest am „Hintern klebte (!)“, so hatte der Brauer nicht an Malz gespart, und der Sud war gelungen. Es befand sich genügend klebriger Malzzucker im Bier. Der Brauer hatte die Prüfung bestanden, und das Bier durfte ausgeschenkt und verkauft werden. Quelle: Wikipedia

Ich recherchiere ja für mein Leben gern. Schon vor der Internet-Ära, als ich dafür stundenlang in Bibliotheken schmökern musste durfte, und jetzt erst recht. Beim Übersetzen ist die Recherche ja auch die halbe Miete, wenn nicht noch mehr. Ich denke mal, dass es den meisten dabei so geht wie mir bzw. wie Eugen Roth auf der Suche nach *Mormone*. (Moment – wie lange ist der denn schon tot? Darf man den zitieren? Nein, noch nicht. Erst ab 2046. Schade.) Es geht natürlich um

Ein Mensch, nicht wissend von “Mormone”,

Schlägt darum nach im Lexikone …

Natürlich liest sich der wissbegierige Mensch fest und kommt von Hölzchen auf Stöckchen, um am Ende das Buch zuzuklappen, ohne die Ursprungsfrage geklärt zu haben.  Dennoch ist er um einiges  schlauer. Das Gedicht dürfte allgemein bekannt sein, sonst kann man den Text auch hier finden.

Ich wollte nun gestern herausfinden, von welchem Gesöff Gebräu Getränk in einem Sketch des schottischen Komikers Billy Connolly eigentlich die Rede ist. Irgendwas mit B…? Im Netz wurde ich sofort fündig. Es war BrewDog, vorgeblich ein Bier (das den stärksten Mann umhaut), in Wirklichkeit aber eher eine Spirituose. Auf Youtube finden sich dazu lauter *reviews* (tja, auf Englisch kann man Bier sogar rezensieren ;-)), aber auch wirklich dämliche Werbespots, die mit den ausgesprochen bescheuerten Sortennamen (“Sink the Bismarck” – für schlappe 40 Pfund Sterling das 330-ml-Fläschchen -, “Tactical Nuclear Penguin” – mit nur 35 Pfund sind Sie dabei – , “The End of History” usw.) spielen bzw. den jeweiligen Wortwitz zu Tode reiten. Flogging a dead brewery horse in a manner of speaking. Da es erklärtes Ziel des BrauHunds BrewDogs war und ist, deutsches Starkbier “in die Knie zu zwingen” (hink, hink), landete ich zwangsläufig auf der obigen Wikipedia-Seite. Was für eine Verschwendung von edlem Gerstensaft! Aber heute sind sie schlauer, die Brauer.

Aaaah! Jetzt geht mir ein Licht auf: Der überaus tiefsinnige Liedtext von “Bier her, Bier her, oder ich fall um!” ist gar nicht aus der Perspektive des durstigen Zechers geschrieben, sondern bezieht sich auf die Bank, deren Stabilität ohne Klebemittel nicht gewährleistet war.

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