Verwundert reibe* ich mir die Augen. Auf dem Schaufenster der kleinen Bäckerei in meiner Straße steht* doch tatsächlich in ganz großen Lettern zu lesen:
Kaffee zum Mitnehmen
Hat sich der Bäcker etwa eine Tüte Deutsch gekauft? (Und reflexartig muss ich jetzt natürlich auch ergänzen, dass er nicht drauftreten darf, weil es sonst Plattdeutsch wird. Witz mit ellenlangem Bart.)
Ich kann mich nicht entsinnen, diesen Hinweis in Deutschland jemals in einer anderen Sprache als Englisch gelesen zu haben. Die englische Variante hat aber auch was. Diesen Mit-muss-Rhythmus. Diesen Kaffee-Mitnahme-Effekt. Da sie nur vier Silben (statt sechs) hat, könnte man mit ihr den Uralt-Evergreen mit einem Hauch feiner englischer Art durchwehen:
In einer kleinen Konditorei Da holten wir zwei Uns “coffee to go” … – * Ich verlinke zum Wikipedia-Artikel über das historische Präsens, da die englische Variante dieses Stilmittels gerade lang und breit – um nicht zu sagen ad nauseam – in einem internationalen Übersetzerforum diskutiert wurde. Angeblich funktioniert es auf Englisch nicht so gut wie in anderen Sprachen. Aber auf Deutsch – juhu! Für mich war der Anblick des Schaufensters ein wahrhaft historischer Augenblick.

“Kaffee zum Mitnehmen”, das habe ich auch noch nie gesehen, schön! Nie vergessen werde ich das Schild “Botox to go”, das ich in Berlin sah.
Aber, Philipp, dass du ein home office hast, darüber lachen die Engländer sich auch scheckig!
Und so werden sie wohl auch lachen, wenn ich mit dem Handy telefoniere.
Haben sie doch längst: http://www.youtube.com/watch?v=39EPz2JsbUk
Gennau! Wir Deutschen erfinden schon komische Worte, oder?
Vielen Dank für Dein Geschenk. Das historische Präsens hatte ich über Jahrzehnte verloren. Darauf trinke ich einen Kaffee zum Mitnehmen aus der Küche am Schreibtisch.
Deine Küche steht neben dem Schreibtisch? Sehr praktisch
Home Office, sozusagen.
Haha! Der Deutschtütenwitz ist offenbar so alt, daß ich ihn noch nicht kannte. Auch für mich ein historischer Moment!
In einem kleinen Kuchenbistro
Da holten wir zwo
Uns Kaffee zum Mitnehmen …
Nein, nein, dat geiht nich!
Das arme Versmaß … Zu seiner Rettung schlage ich vor:
Da holten wir zwo
Uns Kaffee fürs Klo …
Ich persönlich trinke den ja lieber am Schreib- oder Küchentisch, aber:
Manch einer dort die Zeitung liest,
Wo du sonst an der Leitung ziehst.
Beziehungsweise …
Manch einer gern dort Kaffee trinkt,
Wo es mir einfach zu sehr stinkt.
.)
…
Da tranken wir zwo
Latte macchiato
(– das geht, wenn man »Latté mak-ja-to« singt. Also eigentlich doch nicht. Außerdem fehlt da gänzlich der Mitnahmeaspekt … herrje!)
In unsren kleinen 3ZKB
gehn wir mit Kaffee
zu gern aufs WC
– um sich hier mal ganz und gar in die eigenen vier Wände zurückzuziehen.
Die Gnade der späten Geburt!