Archiv der Kategorie: Gedichte

Äpfel und Birnen …

… kann man schon vergleichen, meine ich.  Letztere mag ich nur, wenn sie wie säuerliche Äpfel schmecken, z. B. die Sorte Limonera.

Kumm man röwer …

Herr von Ribbeck schickt mich. Foto: (c) anglogermantranslations
Herr von Ribbeck schickt mich …
Foto: (c) anglogermantranslations


… ick gew’ di ’ne Birn.

Einzelne Birne

Danke, Herr von Ribbeck, aber ich bin bereits bei einem Wirte wundermild eingeladen.

Übrigens hat sich das Gedicht offenbar von selbst in die verschiedenen Sprachen übersetzt, denn Übersetzernamen sucht die geneigte Leserschaft auf der verlinkten Website vergebens. 

Äpfel Finkenwerder   Vergrößern durch Anklicken.

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“Salbei und Kamille, Thymian und Mohn …”

Josef Weinhebers Gedichte sind noch nicht gemeinfrei. Wer “Im Grase” nicht auswendig kann, möge es daher unter dem Link im Rahmen einer Interpretation nachlesen.  Wir befinden uns wieder in den Gärten von Kiftsgate Court. Hinter dem schmiedeeisernen Tor leuchtet im flirrenden Julilicht dieses Sommers eine Blumenwiese:

Flowering meadow, Kiftsgate Court Gardens, England Photo: anglogermantranslations

Flowering meadow, Kiftsgate Court Gardens, England
Photos: (c) anglogermantranslations

wie sie die Dichter zu besingen nicht müde werden – um es mal ziemlich prosaisch auszudrücken. Ich habe ein bisschen in englischer Lyrik nach einem passenden Zitat für diese englische Wiese gesucht, aber Weinheber gefällt mir dafür immer noch am besten. kiftsgate blumenwiese 2 kleiner

However, I found two amusing quotations by Peter Newell, the children’s book illustrator, and Robert Louis Stevenson of Treasure Island fame. I have a good mind to translate both poems in the near future.

kiftsgate blumenwiese 3 kleiner

 
Wild Flowers by Peter Newell
 “Of what are you afraid, my child?”
Inquired the kindly teacher.
“Oh, sir! The flowers, they are wild,”
Replied the timid creature.
 
The Flowers by Robert Louis Stevenson
All the names I know from nurse:
Gardener’s garters, Shepherd’s purse,
Bachelor’s buttons, Lady’s smock,
And the Lady Hollyhock. More
 
Gardener’s garters
Shepherd’s purse
Bachelor’s buttons
Lady’s smock
Hollyhock
 
Ärgern Sie sich auch immer über Fotos unbekannter Pflanzen und Tiere ohne den geringsten Hinweis – z. B. den Fundort -, um was es sich dabei handeln könnte? Vielleicht ist es bei mir eine Berufskrankheit.
 

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Von Lager-Tee und Patriotenklee

Lavater? Doch ja, der Name war mir bekannt. Von ihm gelesen hatte ich allerdings nicht eine Zeile. Jetzt fiel mir aber der Sammelband “Nackt gebadet, gejauchzt bis zwölf. Weltliteratur in Zürich – 50 Porträts”, herausgegeben von Martin Ebel, in die Hände. Martin Halter zeichnet darin ein Porträt des Johann Caspar Lavater. Seine Physiognomielehre vermochte mich zwar nicht hinter dem Ofen hervorzulocken, doch meine selektive Wahrnehmung elektrisierte mich, als ich Folgendes las:

Das “Lavaterisieren”, jener empfindsame Stil mit seinen “Achs!” und “Ohs!” und Gedankenstrichen, wurde zur Modesprache der Geniezeit.

Dabei dachte ich immer, das Ah! und das Oh! seien von jeher das A und O schwärmerischer Lyrik gewesen, sie seien sozusagen von Anbeginn der Zeiten systemimmanent. Lavater also war ihr Vater? Ich brauchte nicht lange zu suchen. In der Bibliothek dieses gastlichen Hauses stehen seine gesammelten Werke. Der Mann kann (bzw. konnte) dichten, dass die Schwarte kracht. Er fand sogar einen Reim auf “Genfersee”! Nein, nein, nicht “Senf, der Schnee”, das wäre ja zu simpel.

Noch pocht’ die Brust ihm von der Flucht,
Und dennoch lagerte
Sein Volk sich, das er wiedersucht’,
Mit ihm am Genfersee.
(Zit. aus: Die zweyte Schlacht bey Murten, im Jahr 1476)
 

Merke: In manchen Situationen hilft kein Kaffee, da braucht man unbedingt Tee.

Tee ist als Reimwort universell verwendbar, wie Lavater uns auch anderen Orts zu beweisen vermochte. Für eine Paarung mit “Patriotenklee” bietet es sich doch geradezu an:

So dacht’ ein Patriotenklee
Voll Unmuth giengs einher:
“Wenn’s auch das Leben kostete,
Das dulden wir nicht mehr.”
(Zit. aus: Der Schweizerbund)
 
 (Wobei der Patriotenklee keine Neuzüchtung ist, vielmehr ein Männer-Kleeblatt, vulgo ein Triumvirat, besser bekannt als die drei vom Rütlischwur. ) 
 

Und wer jetzt immer noch nicht aaah…t! und oooh…t!, der nehme sich in Acht, dass er nicht gelavateert und gefedert werde.

 

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Der Rabe ändert seine Meinung

Poe’s raven changed its mind.

Vorher

und hinterher …

Sprach der Rabe: “Immer mehr!”
Quoth the raven, ‘Ever more!’
 
Die Frage lautet: Welche Frage muss man dem Raben stellen, um von ihm diese Antwort zu erhalten? Kleiner Tipp: Das Bild sagt schon alles.
 
Foto: anglogermantranslations. Alle Rechte vorbehalten.

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Trinkt, o Augen, was die Wimper hält …

… von dem goldnen Überfluss der Welt.

  Gottfried Keller  (Aus: Abendlied)

Im Schlaraffenland …

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Das unfeine Miezchen samt Rüssel statt Ring

Wie ich erst unlängst wieder schrieb, sind Nursery Rhymes und Nonsensverse meine liebste Spielwiese. Nicht von ungefähr ist mein Gravatar für dieses Blog ein Herz mit Katze und Eule. Irgendwas muss ich mir doch dabei gedacht haben? Ob es jemand errät?

Wenn ich mir meine Übersetzungen immer aussuchen könnte, würde ich mich von morgens bis abends nur mit diesem Genre beschäftigen. Aus dem Kollegenkreis bekomme ich daher oft Verslein zugesteckt, die zu ihrem Leidwesen in ihren zu übersetzenden Prosatexten zitiert werden, zu meinem Leidwesen aber so gut wie nie in meinen Übersetzungen auftauchen. Ach, könnten wir doch tauschen!

Ein paar meiner Fingerübungen habe ich als Leseproben auf meine Website gestellt und zum Teil auch in diesem Blog zitiert, als Beispiele für meine Wunschübersetzungen.  Man wird ja noch träumen dürfen …

Was ich mir allerdings nicht hätte träumen lassen, ist die böse Überraschung, die mir ausgerechnet ein für seine kulturellen Programme hochgelobter europäischer Fernsehsender bereitet. Ich selbst habe keinen Apparat, aber eine Übersetzerkollegin schickte mir heute einen Link zur Mediathek des Senders, weil in dem Film auch das berühmte Gedicht The Owl and the Pussy-Cat rezitiert wird, nebst deutscher Übersetzung in Untertiteln. Natürlich war ich gespannt auf eine weitere deutsche Version meines Lieblingsgedichts. Und dann rieb ich mir verwundert die Augen. Margaret Rutherford und ihre Freundin tragen das Gedicht vor, und als Untertitel lese ich in 27 Bildeinstellungen Zeile für Zeile meine eigene Übersetzung. Nur dass an fünf Stellen kleine, aber entstellende Eingriffe vorgenommen wurden. Verschlimmbesserungen nennt man das wohl.

Es soll ja immer noch Privatpersonen geben, die unbekümmert Guttenberg spielen und angeblich nicht wissen, dass ohne freundliche Genehmigung eines Urhebers nichts kopiert oder als eigenes Werk ausgegeben werden darf. Aber ein Fernsehsender? Mein Name ist im Zusammenhang mit diesem Gedicht problemlos im Internet zu finden, ich habe mich nicht versteckt.

Besonders ärgern mich die oben erwähnten Verhunzungen an fünf verschiedenen Stellen im Gedicht. Das Gedicht, das auch vertont wurde und daher gleichzeitig ein Lied ist, gerät dadurch wiederholt aus dem Takt, vulgo, es holpert.

Wir erinnern uns:  Der Kauz bringt der angebeteten Katze ein Ständchen und schmachtet sie dabei an:

Der Kauz sah zu den Sternen empor
Und sang zum Klang der Laute,
“O holde Mieze, Feinsmiezchen mein,
O meine holde Braute …” 

und so weiter und so fort, mehr davon an anderm Ort.

Was aber verschlimmbessert der Textdieb? (Etwaige Frauen sind mitgemeint.)

Er meuchelt mir mein altmodisch-romantisches Feinsmiezchen, das doch so offensichtlich eine Anlehnung an das Feinsliebchen ist (hollahi, hollaho):

Nun lies das doch mal laut! Das holpert doch – aua! Außerdem hat nicht irgendein Unbekannter an meiner Übersetzung herumzupfuschen. Ich mache das doch auch nicht.

Meine Übersetzung war genau dem Original “O lovely Pussy, Pussy my love” nachgebildet. “Feines Miezchen mein” hat wieder eine Silbe zu viel.

Kommen wir nun ins Land, wo der Bongbaum wächst:

Und dort im Wald stand wie verhext
Ein Schweinchen mit Ringlein im Rüssel,
Ein Ring
Ein Ring
Ein Ring hing an seinem Rüssel.

Der einsilbige Ring mutiert im geklauten Untertitel zum zweisilbigen Rüssel:

Nichts gegen Rüssel, nose heißt Nase, das hab ich auch schon rausgefunden und dass eine Schweinenase ein Rüssel ist, lässt ja auch schon meine vorige Zeile vermuten. Aber das hier war meine Übersetzung – da hat nicht irgendein Unbekannter … s. o.

Ring, Ring, weil es ringt und klingt und einsilbig ist, genau wie nose und den Einsilbern traut, Hand, Schein  in den anderen Versen entspricht und ich das so und nicht anders gewollt habe! Man kann jederzeit eine neue Übersetzung des Gedichts schreiben, Edward Lears Original ist ja gemeinfrei. Aber meine Übersetzung gehört mir, und mich hat keiner gefragt.

Dritter Vers:

“Liebes Schwein, dein Ringelein fein -
Verkauf’s uns!” – “Gern”, quiekte das Schwein.
 

Das mutiert zu:

 

Das darf doch nicht wahr sein! Da habe ich so viele Versionen geschrieben und an diesem Text herumgefeilt, bis ich endlich zufrieden war, und dann kommt jemand daher und lässt es holpern. “Verkauf es uns!” passt nicht zum Versmaß, verflixt und zugenäht. Was soll das werden – dichten für Anfänger? Wieder eine überflüssige Silbe – grrr!

Auch der letzte Vers musste natürlich noch schnell verballhornt werden.

 So tanzten die beiden im Schein
Im Schein
Im Schein
Im silbernen Mondenschein.
 
 

Klar, man kann auch was mit Mond in der ersten Zeile dichten, statt wie ich sich langsam vom Schein zum silbernen Mondenschein vorzuarbeiten. Dies hier ist allerdings mein Gedicht, das steht dafür nicht zur Verfügung. Reimt Euch doch selbst was nach eigenem Gusto zusammen. Wenn es wenigstens “Im Schein des Monds” statt “Mondes” wäre – So ist es schon wieder eine Silbe zu viel und holpert.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich bin stinksauer.

Aber wahrscheinlich guckt wieder kein Schw… sicher hat das niemand gemerkt.

Die Textbilder sind Ausschnitte aus den Screenshots, die ich aus dem übrigens sehr sehenswerten Film Die wahre Miss Marple gemacht habe. Ich gehe davon aus, dass ich nicht das Urheberrecht des Senders verletze, da nur mein eigener, wenn auch zum Teil  verballhornter Text darauf zu erkennen ist. Vielleicht entschließt sich der Moderator auf der Website des Senders ja irgendwann dazu, meine Kommentare in der Mediathek freizuschalten?

Nachtrag: Da sticht mir ein weiterer Schnitzer ins Auge, gleich am Anfang.

Lear reimte:

The owl and the pussy-cat went to sea
In a beautiful pea green boat
 

Ich meinte:

Der Kauz und die Katze stachen in See
Im schmucken erbsgrünen Boot
 

Der Textdieb lässt den ästhetischen Aspekt ins Wasser fallen und verschlimmbessert schlicht:

Tja, “in einem erbsgrünen Boot” wäre in Ordnung, bei “im erbsgrünen Boot” ist leider wieder eine Silbe über Bord gegangen und bringt das Boot zum Schaukeln. Ist dieses Pfusch, so hat es doch Methode.

“Wer hat mein Lied so zerstört, Ma? Wer hat mein Lied so zerstört?”

2. Nachtrag von Freitag, dem 22. Juni

Interessant: Der mittlere meiner drei Kommentare, die ich letzten Dienstag auf der Website von arte hinterlassen habe, wurde jetzt doch freigeschaltet. Der erste enthielt explizit das Wort “Urheberrechtsverletzung”. Das war wohl nicht genehm.

3. Nachtrag:

Jetzt ist alles wieder verschwunden.

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Brummen und summen

Einen Mann mit brummiger Miene
Umschwärmt im Baum eine Biene.
Ob das Summen ihn stört?
“Na und wie! Unerhört
Ist dies Biest, diese dumme Trine!”
© anglogermantranslations
 
There was an old man in a tree,
Who was horribly bored by a bee.  
When they said, “Does it buzz?”  
He replied, “Yes, it does!
It’s a regular brute of a bee!”
Edward Lear [1812-1888]
 
Dass der Mann alt war, habe ich mir geschenkt. Sicher hätte aber auch ein junger Mann genervt auf das Summen reagiert. Mir fällt immer wieder auf, dass in englischen Nursery Rhymes, Limericks und Nonsenslyrik Männer und Frauen ganz schön alt aussehen. Warum eigentlich?
 
There was an old woman who lived in a shoe…
Old Mother Hubbard went to a cupboard…
[...] There I met an old man who would not say his prayers (Goosey, goosey, gander)
 
Und dann natürlich taucht immer und überall the little old lady auf.  Warum auch immer.
Und wie stehts mit unseren deutschen gereimten Männlein und Weiblein? Erfahren wir jemals, wie alt sie sind? Im Märchen meistens schon, aber in Liedern und Gedichten?
 
Ein Männlein steht im Walde …
Es war einmal ein Mann, der hatte keinen Kamm …
Ein Mensch, nicht wissend, was Mormone …
 
Doch, eine Ausnahme fällt mir ein:
 
Hab mein Wagen vollgeladen …  
 
Aber ey,  Alder – am Ende kommen dann wenigstens noch die jungen Mädchen und singen durchs Städtchen.

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Die gar schröckliche Ballade vom Austernhändler und seiner Angebeteten

nach Motiven von The Ballad of the Oysterman von Oliver Wendell Holmes d. Ä., der Ballade von den zwei Königskindern und dem wilden Wassermann und der schönen jungen Lilofee, wobei die vier Letztgenannten aber bei mir zu Randfiguren verkommen und ich den wilden Wassermann überhaupt nicht im Gedicht erwähne. Ich denke ihn mir einfach mal mit. Ferner lässt der Dachs Morgensterns ästhetisches Wiesel schön grüßen, möchte aber auf keinen Fall gestört werden.

Die Ballade vom Austernhändler

Am Ufer eines Flusses, der
Ein Stückchen weiter floss ins Meer,
Da lebte einst ein junger Mann
Und bot stets frische Austern an.
Am andern Ufer, welch ein Glück!
Wen, glaubt ihr wohl, streifte sein Blick?
Er streifte eines Fischers Tochter.
Hach!, die mocht’ er!

Dann, eines Nachts im Mondenschein,
Sah er des Fischers Töchterlein
Wie es ihm winkte mit ‘nem Tuch.
Der Angewinkte dachte huch!,
Wenn das kein Zaunpfahl ist, was dann?,
Sinnierte er, der Austernmann,
Und stürzt’ kopfüber in die Flut.
War’s Übermut? War’s Liebesglut?

Im Nu hat er den Fluss durchschwommen,
Das andere Ufer schon erklommen,
Er ward belohnt mit Kuss um Kuss
Und säuselte gar manchen Stuss -
Und schon war Schluss! Zwar fiel kein Schuss,
Doch droht’ Theater vom alten Fischer, ihrem Vater.
Der naht’ und rief: „Was ist denn das?“
Gluck! (Sprung zurück ins kühle Nass …)

„Das war doch nur ein Kieselstein!
Den warf ich in den Fluss hinein!“
„Potzblitz, das ist ein Riesenkiesel!
Flitzt ja durchs Wasser wie ein Wiesel.
Ich spring jetzt in mein Fischerboot
Und schieß das Kieselwiesel tot!“
Dem hübschen kleinen Unschuldslämmchen
Erlosch vor Schreck das Lebensflämmchen.

Derweil ihr Liebster in den Fluten
Krampfhaft bemüht war, sich zu sputen.
Schließlich erlag er jenem Krampf.
Ernattet gab er auf den Kampf.
So sank er und ertrank. Doch dank
Der schönen Lilofee, die Beide hat verwandelt,
Ward unter Wasser fürderhin das Schalentier gehandelt.
Nun boten* Maid und junger Mann den Meerjungfrauen Austern an.

© anglogermantranslations

* Und wenn sie nicht zum zweiten Mal gestorben sind, so bieten sie noch heute.

Als krönender Abschluss nun  das amerikanische Original des Mediziners und Dichters Oliver Wendell Holmes sen. [1809-1894], das mittlerweile gemeinfrei ist.

The Ballad of the Oysterman

It was a tall young oysterman lived by the river-side,

His shop was just upon the bank, his boat was on the tide;

The daughter of a fisherman, that was so straight and slim,

Lived over on the other bank, right opposite to him.

It was the pensive oysterman that saw a lovely maid,

Upon a moonlight evening, a-sitting in the shade!

He saw her wave her handkerchief, as much as if to say,

‘I’m wide awake, young oysterman, and all the folks away.’

Then up arose the oysterman, and to himself said he,

‘I guess I’ll leave the skiff at home, for fear that folks should see;

I read it in a story-book, that, for to kiss his dear,

Leander swam the Hellespont – and I will swim this here.’

And he has leaped into the waves, and crossed the shining stream,

And he has clambered up the bank, all in the moonlight gleam;

Oh, there were kisses sweet as dew, and words as soft as rain, -

But they have heard her father’s step, and in he leaps again!

Out spoke the ancient fisherman, ‘Oh, what was that, my daughter?’

”Twas nothing but a pebble, sir, I threw into the water.’

‘And what is that, pray tell me, love, that paddles off so fast?’

‘It’s nothing but a porpoise, sir, that’s been a-swimming past.’

Out spoke the ancient fisherman, ‘Now bring me my harpoon!

I’ll get into my fishing-boat, and fix that fellow soon.’

Down fell the pretty innocent, as falls a snow-white lamb!

Her hair drooped round her pallid cheeks, like seaweed on a clam.

Alas for those two loving ones! she waked not from her swound,

And he was taken with the cramp, and in the waves was drowned!

But Fate has metamorphosed them, in pity of their woe,

And now they keep an oyster-shop for mermaids down below.

     

Das Originalpersonal enthält außerdem noch Hero und Leander sowie einen fiktiven Tümmler (porpoise), die ich mir jedoch aus versmaßtechnischen Gründen geschenkt habe. Statt des Tümmlers tummelt sich bei mir ein Riesenwiesel inmitten Flussgeriesel. Schuld war nur der Bossan… Kiesel.

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Ach, Friederike … :-)

Gestern habe ich mir die Dramödie Boxhagener Platz angesehen. Nein, ich will mich nicht en detail zum Film äußern, das überlasse ich gern dem Autor und dem Regisseur. Ich möchte mir nur mal wieder eine wunderbare Poesie-Rosine herauspicken, sozusagen die Poesine. Wer hätte gedacht, dass schlichte Gemüter Friederike Kempners lyrische Ergüsse nicht zum Totlachen finden, sondern sie im Gegenteil todernst nehmen. Um den Tod dreht sich ja auch der ganze Film – neben anderen Dingen natürlich, zum Beispiel dem Ostberliner Alltagsleben Anno 1968.

Oma Ottilie und der Rentner Karl (nein, nein, nicht Eduard ;-)) treffen sich auf dem Friedhof. Da Karl einen Urlaub im Westen plant,  fragt er die fünffache Witwe:

“… ob Sie meine Frau vielleicht mitjießen könnten?”

Nach der Rückkehr aus dem feindlichen Ausland bedankt sich Karl am Grab seiner verstorbenen Frau artig mit einem Päckchen Bohnenkaffee und … einem Gedichtband von Friederike Kempner (“Wat fürs Jemüt …”). Passend zum Ambiente, denn die Anthologie trägt den Titel “Das scheintote Kind”.  “Widerlich!”, urteilt Ottilie spontan über das Geschenk, doch zu Hause lässt sie sich dieses Glanzstück schlesischer Dichtkunst von ihrem Enkel vortragen, “ohne Berlinern”, und findet es ergreifend. Die tragikomische Schauerlyrik weckt in der sonst so handfesten Person eine romantische Ader, Karl erobert Ottilies Herz im Sturm. Als ihr Enkel eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihr und dem Konterfei der Dichterin feststellt, frisiert sie sich fortan wie diese. Die Szene, in der sich Karl und Ottilie “kriegen”, hätte Courths-Mahler nicht besser “hinkriegen” können:

Sie sinken sich in die Arme, doch bevor sich ihre Lippen zum allerersten Kuss treffen, deklamieren sie gemeinsam die dritte und vierte Zeile des unsterblichen Gedichts:

Seine schwache Kraft
Es zusammenrafft.

Halb so wild, dass der gute Karl am Ende dann auch noch mausetot ist. Passend zum Ambiente.

Das scheintote Kind

von Friederike Kempner

(Nocturno)

Stürmisch ist die Nacht,
Kind im Grab erwacht,
Seine schwache Kraft
Es zusammenrafft.

„Machet auf geschwind!“
Ruft das arme Kind,
Sieht sich ängstlich um:
Finster ist’s und stumm.

Überall ist’s zu,
„Mutter, wo bist du?“
Stoßet aus den Schrei,
Horchet still dabei.

Und in seiner Qual
Klopft es noch einmal,
Sieht sich grausend um:
Finster ist’s und stumm.

Streckt die Ärmlein aus,
Hämmert schnell drauf los,
Ruft entsetzt und laut:
Hört, ich bin nicht tot!

Lehnt sein Haupt an’ Arm:
„Daß sich Gott erbarm’,
Lebt man ewig so?
Und wo stirbt man so?

Ach, man hört mich nicht,
Gott, ach nur ein Licht!“
Sieht sich nochmals um!
Finster bleibt’s und stumm.

Stier und starr es tappt,
Und am Sarg’ es klappt,
Horch, da strömt sein Blut
Durch des Nagels Hut.

Aus dem warmen Quell
Sprudelt’s rasend schnell:
Endlich stirbt das Kind,
Froh die Engel sind!

Stürmisch ist die Nacht,
Blätter rauschen sacht,
Niemand sah sich um:
Finster blieb’s und stumm.

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O Who Rides by Night …

… Thro’ the Woodland so Wild?

(A follow-up to yesterday’s Wer reitet so spät)

Transl.  Sir Walter Scott (1771-1832)

Indeed, who may it be? I give you three guesses. Never mind the o having dropped its aitch. It sometimes does that. Just like that.

The Earl-King

O who rides by night thro’ the woodland so wild?
It is the fond father embracing his child;
And close the boy nestles within his loved arm,
To hold himself fast, and to keep himself warm.

“O father, see yonder! see yonder!” he says;
“My boy, upon what dost thou fearfully gaze?”
“O, ’tis the Erl-King with his crown and his shroud.”
“No, my son, it is but a dark wreath of the cloud.”

The Erl-King Speaks:
“O come and go with me, thou loveliest child;
By many a gay sport shall thy time be beguiled;
My mother keeps for thee many a fair toy,
And many a fine flower shall she pluck for my boy.”

“O father, my father, and did you not hear
The Erl-King whisper so low in my ear?”
“Be still, my heart’s darling — my child, be at ease;
It was but the wild blast as it sung thro’ the trees.”

Erl-King:
“O wilt thou go with me, thou loveliest boy?
My daughter shall tend thee with care and with joy;
She shall bear thee so lightly thro’ wet and thro’ wild,
And press thee, and kiss thee, and sing to my child.”

“O father, my father, and saw you not plain
The Erl-King’s pale daughter glide past thro’ the rain?”
“Oh yes, my loved treasure, I knew it full soon;
It was the grey willow that danced to the moon.”

Erl-King:
“O come and go with me, no longer delay,
Or else, silly child, I will drag thee away.”
“O father! O father! now, now, keep your hold,
The Erl-King has seized me — his grasp is so cold!”

Sore trembled the father; he spurr’d thro’ the wild,
Clasping close to his bosom his shuddering child;
He reaches his dwelling in doubt and in dread,
But, clasp’d to his bosom, the infant was dead.

–> This way please to Goethe’s original ballad.

And yet another interpretation by Cameron Carpenter:

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