Schlagwort-Archive: Literatur

Der Dichter und der Korkenzieher

1 Liter  Atur  (der Geist aus der Flasche)

Kalenderblatt Foto

Joachim Ringelnatz von Michael Mathias Prechtl

Fotografiert von einem alten Kalenderblatt im EÜK

© anglogermantranslations

Die Schnupftabaksdose

Es war eine Schnupftabaksdose,
Die hatte Friedrich der Große
Sich selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz.
Und darauf war sie natürlich stolz.

Da kam ein Holzwurm gekrochen,
Der hatte Nußbaum gerochen.
Die Dose erzählte ihm lang und breit
Von Friedrich dem Großen und seiner Zeit.

Sie nannte den Alten Fritz generös.
Da aber wurde der Holzwurm nervös
Und sagte, indem er zu bohren begann:
“Was geht mich Friedrich der Große an!”

Joachim  Ringelnatz (1883-1934)

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Robert Walser

Unbekannte Prosa

Alle hier übersetzen Robert Walser, nur ich nicht :-( .  Anyway, not much point in it, is there? Why, oh why did he have to write in German?

Aber man muss ja nicht immer nur übersetzen wollen, lesen ist ja auch ganz schön. Und da Robert Walser noch ein blinder Fleck auf meiner Leselandkarte ist (what an admission – shame on me!),  ich aber hier die gesammelten Werke auf dem Regal vorfinde, fange ich endlich mal an.

Meine Jungfernlektüre ist die Kurzgeschichte DAS DICHTERZIMMER, erschienen 2003 bei Suhrkamp im Sammelband “Feuer”, herausgegeben von Bernhard Echte. Nein, das soll jetzt keine Verletzung des Urheberrechts werden, sondern nur ein Kleinzitat. Weil ich diese Stelle einfach saukomisch finde, bzw. tragikomisch.

Meine Freundin, die geschiedene, getrennte und auseinandergerissene Frau von Ligerz, haust noch ärmlicher als ich. Sie macht es mit noch bedeutend weniger Komfort, und ehemals schwamm sie darin. Sie hat gewohnt und gelebt wie eine regierende Fürstin, und jetzt übersetzt sie, gleich der hoffnungslosen Sklavin, was? Romane! Ihr eigenes Leben ist selber ein Roman. Doch sie, sie ist zu delikat, diesen Roman zu schreiben.

Jedes beliebigen Menschen Leben ist ein schöner und langer Roman, so z. B. meines. Ich komme mir, wenn ich nächtlings in meiner Stube bei der Lampe sitze, wie eine regelrechte Romanfigur vor:  “Und dann löschte er das Licht aus und legte sich zu Bett.”

Rezensionen findet man im Perlentaucher.

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Wer reitet so spät

Ja, wer wohl? Goethes Ballade vom Erlkönig ist immer noch eine schier unerschöpfliche Inspirationsquelle für alle Kunstgattungen und -richtungen. Ist Youtube nicht eine wunderbare Erfindung? Ich habe mal drei Interpretationen herausgegriffen, die mir besonders gut gefallen.

Ein Comic in Hörfassung? Erlkönig “zum Anfassen”? Pantomimisch und akustisch untermalte Rezitation? Gibt es einen Begriff für diese genreübergreifende Vortragskunst? Besonders amüsiert mich, wie Marco Rima in Marty Feldmans Rolle aus Frankensteins jüngerer Bruder schlüpft :-) .

Von den vielen filmischen Umsetzungen des Stoffs halte ich Georg Weidenbachs atmosphärisch dichte Version für besonders gelungen.

Last but not least Franz Schuberts Vertonung als Violinsolo – ein Parforceritt in der Interpretation von Kristof Barati. Ist das nicht ein wahrhaft fiegeliensches Musikstück? (Endlich eine Gelegenheit, diese neu erworbene Vokabel anzuwenden. ;-)

Und hier noch einmal der Text des Gedichts zum Mitsingen für alle, die ihn nicht auswendig lernen mussten ;-) :

Erlkönig

Johann Wolfgang Goethe

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

»Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

»Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.«
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh’ und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Quelle: Projekt Gutenberg

And this is what Sir Walter Scott made of it.


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