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Katharinenkirche in Hamburg    Foto: anglogermantranslations

F. hat mir ihre alte Digitalkamera geschenkt. (Danke, liebe F. :-) ) Seitdem sehe ich meine Stadt mit anderen Augen. Bei der späteren Ausbeute des letzten Sonntagsspaziergangs bedauere ich wieder einmal, keine Autorin zu sein, oder besser gesagt, nicht den Drang zum Romanschreiben zu verspüren. Die Zeit würde mir ja für die Lektüre der vielen noch ungelesenen Bücher fehlen. (“Zwar les ich viel, doch will ich ALLES lesen …”)  Und das ein oder eine Buch will ja auch noch übersetzt sein.

Einen Tag später bleibt mein Blick in der Bücherhalle an einem Titelbild hängen. Es ist ein Krimi von Lesley Cookman mit dem alliterierenden Titel Murder in Midwinter und erinnert mich an mein Kirchturmfoto vom Sonntag. Jetzt möchte ich auch so einen schönen Titel für mein Bild haben, jawohl! Wenn ich schon keinen Roman dazu schreibe. Kann doch nicht so schwer sein …

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Dumm flickt gut?

You can still do a lot with a small brain

Photo/Foto:

Courtesy of/mit freundlicher Genehmigung von Bodie and Fou

Die lockenden bösen Buben und die zu stopfenden Socken spukten mir noch im Kopf herum, als ich in einem Blog ein Kissen mit einem merkwürdigen Motiv samt einem noch seltsameren Spruch entdeckte. Wie sich herausstellte, war es das Motto einer Ausstellung des Papierkünstlers Rob Ryan. So sehr mir die nadelbewehrten Vögelchen gefallen, die Aussage empfand ich spontan als Frechheit. Wieso sollte Geschicklichkeit ein Zeichen für mangelnde Intelligenz sein? Mir fällt dazu der Titel einer Filmbesprechung in der taz ein – lang, lang, laaaaang ist’s her. Es ging um Salz auf unserer Haut, die Verfilmung des Romans Les vaisseaux du cœur von Benoîte Groult [Deutsch von Irène Kuhn]. Der Titel besagter Rezension enthielt allerdings einen Buchstaben weniger als die Überschrift dieses Blogartikels.

Man kann es natürlich auch von hinten aufzäumen und einfach sagen, dass man dafür kein Einstein sein muss – denn wer hält sich schon für so klug? Auf Englisch sagt man gern auch It’s no rocket science, man braucht dafür nicht studiert zu haben. (Und rocket science schon gar nicht.) Aber warum überhaupt Geistesgaben mit Fingerfertigkeit vergleichen? Diese Fähigkeiten schließen einander ja nicht unbedingt aus. Neugierig machte ich mich auf die Suche nach dem Künstler. Und siehe da, auch englische Muttersprachler empfanden den Spruch als Affront. Rob Ryan beteuert jedoch, so habe er das gar nicht gemeint:

So what is artist Rob Ryan trying to say with the provocative title of his latest exhibition, You Can Still Do a Lot with a Small Brain? Should we be interpreting it as an insult? “Oh, gosh, no! It’s a complete compliment. It’s not meant to be insulting in any way.” So what exactly is the acclaimed “paper cutter” trying to say? “There’s no massively deep philosophical angle to my work. I just want to make you smile.”

Quelle: The Leeds Guide, Autor: Paul Smith

Hm. Wie leicht man doch etwas missversteht! Also eher nicht Dumm flickt gut oder Dumm stickt gut o.  Ä., sondern vielleicht die Ermunterung, dass in (fast?) jedem ein besonderes Talent schlummern kann.

Auch ein Weihnachtskartentext dieses Papierkünstlers befremdet zunächst:

Have a nice Christmas, but only if you want to! (no pressure Xmas card)

Die Geschichte dahinter: Seine eigene Mutter starb an einem Weihnachtstag.  Ach so …

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